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GeschichteBild vergrößern »
Wo sich Acher und Schwarzbach in ihrem Lauf
vereinigen, heißt es in einer alten Chronik, liegt die Festung Lichtenau, mit Wall,
Graben und Mauer umgeben, zum Schutze der rechtsrheinischen Besitzungen der Grafen
von Hanau-Lichtenberg. Der Bischof von Straßburg, Konrad III, gründete in den
Jahren 1293 - 1296 das Städtchen und errichtete eine Wasserburg.
Für die besonderen Verdienste des Bischofs und seines Neffen Johann I. in den Diensten des Habsburger Königs und Kaisers Albrecht I, verlieh dieser in seinem Freiheitsbrief vom 14. Januar 1300 der Festung Lichtenau die Stadtrechte und garantierte den Bürgern das Recht der persönlichen Freiheit. Mag auch diese Sonderstellung unter den damaligen Verhältnissen ein gewisses Vorrecht für die Bevölkerung gebracht haben, mussten diese Privilegien im Laufe der Jahrhunderte teuer bezahlt werden. Statt der erhofften Sicherheit innerhalb der Stadtmauern herrschte oft Not, Brandschatzung und Plünderung, denn im Laufe der Zeit gewann der befestigte Marktflecken an Bedeutung und Einfluss und war somit Ziel kriegerischer Übergriffe. Von 1335 bis 1390 war Lichtenau Residenzstadt der Grafen von Hanau-Lichtenberg. Es wurde Sitz der weltlichen und kirchlichen Behörden für die ganze Grafschaft und erlangte so wohl die größte Bedeutung in seiner Geschichte. Lichtenau bildete gleichzeitig auch die nördlichste Bastion des Hanauerlandes, dieser selbständigen Grafschaft, die sich 250 Jahre behauptete und während dieser Zeit oft in die kriegerischen Händel und Fehden der vielen kleinen Herrscher verwickelt war. Die Einführung der Reformation, die manche Kämpfe verursachte, war nur der Beginn einer Folge unerhörter Grausamkeiten, die sich während des Bauernkrieges 1525 bis zum Dreißigjährigen Krieg fortsetzten. Landsknechte belagerten wiederholt die Festung, eroberten sie und plünderten nach Belieben. Zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges beherrschten die kaiserlichen Truppen das Feld. In dieser verhängnisvollen Zeit wurde Lichtenau nach langer Belagerung am 19. April 1632 überrannt und vollständig eingeäschert.
Bild vergrößern » Erstaunlich ist, dass die Bewohner immer wieder aus dem Nichts aufbauten, wenn auch primitiv und in der Vorahnung, daß das Geschaffene nicht von Bestand sein werde. Kaum eine Generation blieb von der Geißel des Krieges verschont, und wenn die Bevölkerung dieser Gefahr entronnen war, kamen nicht selten Seuchen und Hungersnöte. Mit der Gründung des Großherzogtums Baden klärte sich die politische Lage; das Machtbedürfnis der vielen kleinen religiösen und weltlichen Despoten wurde zum Erlöschen gebracht. Als Lichtenau badisch geworden war, verlor es zu Gunsten Rheinbischofsheims an Bedeutung. Der Amtmann von Rheinbischofsheim verfügte, dass die Stadtmauern und Tore niedergelegt werden müssen. 1805 wurde der Abbruch durchgeführt. Große Tage sah Lichtenau, als zwischen 1805 und 1815 Napoleon Bonaparte mehrmals im Städtchen weilte. Nach der Niederwerfung des Korsen begann wieder eine Epoche des Aufbaus. Ein gewisser Wohlstand kehrte bei der Bevölkerung ein, allerdings nicht für alle, denn zwischen 1830 und 1850 wanderten rund 350 Lichtenauer nach Amerika aus. Bedeutungsvoll für den Flecken war 1892 die Inbetriebnahme der Lokalbahn Kehl-Lichtenau-Bühl, welche das Städtchen dem Schienenverkehr anschloss. Handwerk und Gewerbe, die schon immer eine gewisse Bedeutung im Raum des unteren Hanauerlandes hatten, begannen sich weiter auszudehnen. In erster Linie waren es die Seiden- und Tuchwebereien, später trat an ihre Stelle die Korbwarenindustrie. Jede Aufwärtsentwicklung wurde jedoch zunichte gemacht, als Lichtenau nach dem Ersten Weltkrieg Grenzland und das benachbarte Elsass Ausland wurde. Die wirtschaftlichen Verbindungen nach Westen brachen schlagartig ab. Im Zweiten Weltkrieg folgte dann die Katastrophe. Das Ende von Lichtenau schien nahe, als am 24. März 1945 feindliche Flugzeuge in großer Zahl Bomben wahllos in das Städtchen warfen. Nur dem Einsatz der Einwohner und der Soldaten ist es zu verdanken, dass Lichtenau nicht zum Trümmerhaufen wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann für Lichtenau ein neuer Abschnitt der Geschichte. Wie überall in Deutschland fingen die Menschen auch hier an, auf den Trümmern wieder aufzubauen. Handel und Gewerbe lebten wieder auf. Jenen Menschen haben wir es zu verdanken, dass Lichtenau wieder aufblühte und heute ein zwar kleines, aber aufstrebendes Städtchen ist. Als ein bedeutendes Ereignis der Nachkriegszeit ist die Wiederverleihung der Stadtrechte am 9. September 1956 zu erwähnen, die im Dritten Reich aberkannt wurden. Bild vergrößern »
Voller Stolz feierten die Einwohner und der gesamte Landkreis
diese Wiederverleihung der Stadtrechte, dokumentierte sie doch die historische und
gegenwärtige Bedeutung der Stadt. Mit Inkrafttreten der Kreisreform hat sich Lichtenau
dem Landkreis Rastatt zugeordnet.
Eine weitere einschneidende Änderung erbrachte die Gemeindereform. Die ehemals viele Jahrhunderte bestehenden Gemeinden Scherzheim, Ulm, Muckenschopf und Grauelsbaum wurden nach Lichtenau eingemeindet. Für die einzelnen Ortschaften war es ein schwerer Schritt, ihre Selbständigkeit zu opfern, und diese einer größeren Gemeinschaft anzuvertrauen. Um den Übergang nicht zu schwer werden zu lassen, haben die Stadtväter für diese Ortschaften die Ortschaftsverfassung eingeführt, so dass jeder Ort noch eine Verwaltungsstelle mit Ortsvorsteher und Ortschaftsrat besitzt, an die sich die Einwohner mit ihren Problemen wenden können. Wenn auch die Gemeindereform noch nicht vergessen ist, so lässt sich doch heute sagen, dass auch in der neuen und größeren Kommune ersprießlich und zum Wohle der Einwohner zusammengearbeitet wird. Das Freizeitangebot der Stadt ist recht abwechlungsreich. Im Laufe der Zeit wurden über 50 Vereine für sportliche, kulturelle und soziale Betätigungen gegründet. Mehrere Baggerseen, die sich heute zum Baden und Angeln eignen, erinnern an die große Bedeutung, die der Kiesabbau früher in Lichtenau hatte. Über das ganze Jahr hindurch finden regelmäßig Veranstaltungen statt, so zum Beispiel unsere traditionellen Jahrmärkte, die es bereits seit 1614 gibt. Letzte Änderung am: 07.01.99 |
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